Mit dem Glockenschlag 12 Uhr vom St. Gallus-Turm begrüßten die Initiatoren des Ökumenischen Friedensgebetes im Katholischen Gemeindehaus außergewöhnlich viele Christen aus dem Dreisamtal. Sie waren zu einem besonderen Gebetstermin gekommen, denn es galt, auf zehn Jahre gemeinsames Beten für den Frieden zu schauen: „Seit nunmehr zehn Jahren versammeln wir uns regelmäßig zu den Friedensgebeten und sind getragen von der Sehnsucht nach Versöhnung, Hoffnung und Zusammenhalt.“ Der monatliche Treffpunkt sei zur festen Tradition geworden und verbinde Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Glaubensrichtungen. Und mit dem Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage sei es notwendiger denn je, um Frieden zu beten.
Um dem „Jubiläumsgebet“ auch musikalisch einen besonderen Rahmen zu geben, waren die „Coverbrothers“ und Pianist Niklas Hötzer dabei. Mit dem ersten Lied „Eve of Destruction“, einem Protestsong von Barry McGuire aus dem Jahr 1965, erinnerten sie an die gehofft längst überwundenen Zeiten des Kalten Krieges. In Gebeten und Texten stand immer wieder die Angst vor Unfrieden und die Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenleben der Menschheit im Fokus. Als ein für die Anwesenden wichtiges Zeichen der Hoffnung entzündeten sie an der Friedenskerze kleine Lichter, die zu einem leuchtenden Friedenslicht zusammengesteckt wurden. In ihrem Impuls auf einen Text aus dem Johannesevangelium, in dem Jesus verspricht „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, betonte Schwester Kerstin wie wichtig es sei, die Hoffnung auf Frieden nie aufzugeben: „Wir müssen seine frohe Botschaft für voll nehmen!“ Sie machte Mut nicht zu verzweifeln, wenn unsere Gebete um Frieden nicht so wie gewünscht erfüllt würden: „Aber ich bin überzeugt, dass es ohne unsere Gebete noch schlimmer auf der Welt aussähe.“
Die Fürbitten schufen Gelegenheit, diese Gebete immer wieder zu vertiefen. Gedacht wurde an die Länder, in denen Krieg herrscht, an Menschen auf der Flucht, an Verwundete, Trauernde und Traumatisierte. Das Fürbittgebet galt aber auch den Verantwortlichen in Politik, Militär, Diplomatie und Medien, damit sie die Menschenwürde an erste Stelle setzen. Und auch um den Frieden im Ort, in Familien, Nachbarschaft, Vereinen wurde gebetet. Der verbindende Friedengruß ermutigte, beim Reichen der Hände selbst Friedensstifter zu werden. Eine Menschenkette brachte alle Gebetsanliegen als „Friedenskette“ hinaus auf den Kirchplatz und damit in die Öffentlichkeit. Kleine Impulse, von Niklas Hötzers Klaviermusik begleitet, brachten weitere Ideen für den persönlichen Friedensweg. Ein geselliges Beisammensein im Gemeindesaal schuf mit musikalischer Untermalung der Lieder von den „Coverbrothers“ einen friedvollen Raum für Austausch und Gespräche.
Text und Fotos: Gerhard Lück (aus Dreisamtäler Nr. 17, 2026)