Darstellung des Herrn - Mariä Lichtmess - Hypapante

21.01.2026 | 2. Februar

 „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht zur Offenbarung für alle Völker und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.“ (Lk 2,31f)

Das Bild zeigt die Darstellung Jesu im Tempel, einen Ausschnitt des Flügelaltars in Neustadt.
Der Marienaltar im Münster St. Jakobus zeigt am rechten Seitenflügel unten ein Bild der biblischen Erzählung aus dem Lukasevangelium zum Fest Darstellung des Herrn oder, wie es früher genannt wurde: "Jesu Opferung" und "Mariä Reinigung". Die Ostkirche kennt dieses Fest mit dem Namen: „Hypapante - Die Begegnung des Herrn“. Der Tempel ist durch einen Opferaltar in der Mitte angedeutet.
40 Tage nach der Geburt Jesu zog Maria zusammen mit Josef und Jesus nach Jerusalem zum Tempel, um ein Reinigungsopfer darbringen zu lassen und zudem ihren Erstgeborenen Gott zu weihen (Lukas 2,22-24). Die im Gesetz angegebenen Zeitspannen, sieben Tage der Unreinheit und insgesamt 40 Tage bis zur Zulassung zum Opfer, sind symbolträchtig: erst nach sieben Tagen ist die Schöpfung durch Gott vollendet (Genesis 1,1-2,3); die Sintflut dauerte 40 Tage (Genesis 7,17); Mose verbrachte 40 Tage auf dem Berg Sinai bei Gott, als er die Gesetze Gottes empfing (Exodus 24,18).
Da Blut die Essenz des Lebens ist, ist nach jüdischem Glauben das Vergießen von Blut lebensfeindlich und ein Handeln gegen Gottes Willen, weshalb man als kultisch unrein gilt und sich ihm nicht nähern darf. Selbst die Berührung mit Blut gilt als unrein. Deshalb darf Blut nicht „vergossen“ oder gegessen werden – einzige Ausnahme: Der Opferkult im Tempel, bei dem die Priester das Blut (und somit das von Gott empfangene Leben) Gott zurückgaben, indem sie es auf den Altar gossen (Levitikus 17).
Maria und Josef handelten gemäß dem alttestamentlichen Gesetz, in dem es heißt, dass acht Tage nach der Geburt ein Sohn beschnitten wird, wie es Gott für alle Nachfahren Abrahams vorgeschrieben hatte (Genesis 17,9-14). Dort heißt es auch, dass eine Frau sieben Tage lang nach der Geburt eines Sohnes als unrein gilt und sie insgesamt 40 Tage in einem Status der Reinigung verbleibt (Levitikus 12,2-4). Erst nach dieser Phase durfte sie wieder zum Tempel gehen und für sich durch einen Priester ein "Sündopfer" darbringen lassen, um so "Versöhnung" zu erwirken und "rein von der entstandenen Blutung" werden zu können (Levitikus 12,6). An dieses Gesetz knüpft die Erzählung im Lukas-Evangelium an: "Als sich für sie die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten …" (Lukas 2,22).
Maria und Josef kommen also 40 Tage nach der Geburt Jesu in den Tempel nach Jerusalem, um das Kind Gott zu weihen.
Was ist das Besondere am Tempel in Jerusalem zur Zeit Jesu?
Jerusalem ist die Hauptstadt des Landes Israel und somit Mittelpunkt. In Jerusalem selbst ist der Tempel der wichtigste Ort für die Menschen, die an Gott glauben. Er ist das zentrale Heiligtum der jüdischen Menschen. Hier treffen sich alle, wenn sie ein wichtiges Fest feiern. Sie sagen: Dort wohnt unser wirklicher König, Jahwe, unser Gott. Dort können wir Gott begegnen.

Bildbeschreibung

Der Marienaltar im Münster Sankt Jakobus ist eine abgeänderte Kopie des Marienaltars von Tilmann Riemenschneider. Das Original stammt aus dem Jahr 1506 und steht in der Herrgottskirche in Creglingen. Der Marienaltar hier in Neustadt stammt aus dem Jahr 1903 und wurde nach einem Entwurf von Max Meckel durch die Bildhauerei Dettlinger in Freiburg geschaffen und durch die Farbgebung der Malerei von Franz Schilling vervollständigt.
Das Bild zeigt Josef, Maria und die Prophetin Hanna
Am rechten Seitenflügel sehen wir im unteren Bild links von einem angedeuteten Altar Maria, Josef und eine ältere Frau, die Prophetin Hanna (Lk 2,36 f.). Beide Frauen haben ihr Haar bedeckt. Vielleicht ist es ein Hinweis auf den ersten Korintherbrief (1 Kor 11,5). Dort steht: „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen“.
Die Darstellung der beiden Frauen mit dieser Kopfbedeckung könnte aber auch einfach aus dem Mittelalter stammen, wo es Sitte war, dass sich ehrbare und verheiratete Frauen in der Öffentlichkeit nie ohne Kopfbedeckung zeigten. Die Gebände (Stoffstreifen, die die Wangen und das Kinn bedecken) der beiden Frauen deuten auf die mittelalterliche Tradition hin. Auch Ende des 19. Jahrhunderts zeigte sich keine Frau ohne Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit.
Die Prophetin Hanna blickt lächelnd auf das Kind. Ihr Blick hat beinahe etwas Wissendes. Maria hat die Hände gefaltet, ihr Blick scheint bedrückt, beinahe sorgenvoll auf ihren Sohn gerichtet. Vielleicht hört sie gerade auf das, was Simeon ihr in Bezug auf das Schicksal ihres Sohnes sagt: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2,35). Das Besondere an der Darstellung der Prophetin Hanna ist, dass Max Meckel ihr die Gesichtszüge der großen Spenderin Theresia Blessing gegeben hat, die durch ihre großzügige Spende diesen Altar erst ermöglicht hat.
Das Bild zeigt zwei Tauben, einen Ausschnitt vom Bild Darstellung des Herrn
Josef ist im Vordergrund. In seiner rechten Hand hält er ein Taubenpaar, mit der linken Hand zeigt er auf Jesus. Die Tauben sind die geforderte Opfergabe für die rituelle Reinigung: „Wenn sie die Mittel für ein Schaf nicht aufbringen kann, soll sie zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben nehmen, eine als Brandopfer und die andere als Sündopfer; der Priester soll sie entsühnen, und so wird sie gereinigt.“ (Lev 12,8)
Das Bild zeigt den greisen Simeon mit Jesus im Arm
Der im Bild angedeutete Altar teilt das Bild scheinbar in zwei Hälften. Auf der rechten Seite sehen wir einen alten Mann in priesterlicher Kleidung, der das Kind in den Armen hält. Sein Blick sieht müde und traurig aus, beinahe wehmütig. Wir erkennen in ihm den Propheten Simeon. Simeon wartete ein Leben lang auf den Messias, den von Gott gesandten Retter. Gott hatte Simeon ein Versprechen, eine Verheißung ins Herz gegeben und gesagt: "Du wirst nicht sterben, ehe du den Heiland gesehen hast" (Lk 2,26). So warteet er Tag für Tag im Tempel auf die Erfüllung dieser Verheißung.
In seinem Blick können wir beinahe die Worte lesen, die er über das Kind in seinen Armen sagt: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast ...“
Der Mann im Hintergrund, vielleicht ein Priester oder zufälliger Tempelbesucher, hat eher einen erstaunten Gesichtsausdruck. Mit seinem gerafften Mantel, der sich beinahe schützend um den Kopf des Kindes legt, sieht es so aus, als ob er das Kind vor irgendetwas in Schutz nehmen möchte. Der dritte Mann im Hintergrund, verdeckt durch die beiden anderen, scheint neugierig über deren Schultern zu blickten.
Das Kind, fest in ein Tuch eingewickelt, blickt zu uns, als ob es sagen möchte: „Hallo, hier bin ich!“ Gott sendet seinen Sohn zu uns allen, er ist das Heil der Welt.
Vielleicht dankt Maria in einem stillen Gebet Gott mit folgenden Sätzen:
Großer Gott, du hast uns ein Kind geschenkt.
Großer Gott, es gehört dir: Sorge für dieses Kind, damit es alles bekommt, was es zum Leben braucht.
Schütze dieses Kind, damit es wachsen und groß werden kann.
Lass es zum Segen werden für die andern Menschen.
Es ist dein Kind, ein Kind Gottes. Gib ihm deinen Segen.